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Gedenktafel Sülzgürtel Haus Nr. 8
Zur Geschichte

Auf seinem Höhepunkt im Herbst 1944 zählte das Volksfrontkomitee mehr als 200 Personen, die von einer Fünfergruppe - bestehend aus den Kommunisten Engelbert Brinker, Johannes Kerp, Otto Richter, Wilhelm Tollmann und Jakob Zorn - geleitet wurden und in Zellen erfasst waren, zu denen Tollmann und Zorn als Instrukteure, die Verbindung hielten. Trotz der kommunistischen Dominanz war das Volksfrontkomitee breit angelegt; mehr als die Hälfte der Mitglieder waren nach Angaben Zorns keine Kommunisten. So war es u.a. gelungen, die Arzte Dr. Jakob Ahles und Dr. Mertens, den Bibelforscher Kurt Stahl aus Bensberg, die Sozialdemokraten Franz Bott und Max Neugebauer, den Regierungsinspektor Bosbach vom Kölner Arbeitsamt und den Direktor des Braunkohlensyndikats Dr. Becker, der Mitglied der NSDAP war, für eine Mitarbeit zu gewinnen. Betriebszellen existierten bei den Humboldwerken in Deutz, dem Carlswerk in Mülheim, den IG Farben-Werken in Leverkusen und auf dem Güterbahnhof Gremberghoven; zu den Fordwerken, den Firmen Kolb und Mercedes sowie der Kölner Baumwollbleicherei gab es einzelne Verbindungen. Über die Betriebszellen wurden Kontakte zu Zwangsarbeitern hergestellt, die teilweise in die Arbeit einbezogen wurden.
Mittels Fugblättern, Plakate sowie Klebe- und Streuzetteln forderte das Volksfrontkomitee die Bevölkerung und die Arbeiter auf, die Kriegsproduktion zu sabotieren und zu desertieren. Ein Flugblatttext lautete: ,,Arbeiter und Soldaten: Keine Stunde für den Krieg. Geht nicht zur Front. Kämpft mit uns für den Frieden. Für die Freiheit. Für die Volksfront. Gegen die Nazis! Komitee der Volksfront." Auf anderen Streu- und Klebezetteln war unter der Parole, Hitlers Tod - Frieden, Freiheit, Brot" u.a. zu lesen: ,,Arbeite nicht für den Krieg -feiere krank, dann brauchst du keine Granaten zu drehen", bring Deine Familie in Sicherheit" oder, Wirt die Knarre hin". Gleichzeitig erarbeitete das Volksfrontkomitee ein Nachkriegsprogramm zum Wiederaufbau freier Gewerkschaften, der Gründung freier Presseorgane sowie zur Neuordnung der kommunalen Verwaltung und des Gesundheitswesens, das den Alliierten beim Einmarsch übergeben werden sollte. Ein Teil der zu diesen Aufgabenfeldern gebildeten Ausschüsse hatte bereits mit der Arbeit begonnen, als es der Gestapo im November 1944 gelang, die gesamte Leitung des Komitees in der Zentrale am Sülzgürtel 8 zu verhaften.
Insgesamt wurden damals 59 Komiteemitglieder verhaftet, zu denen später noch weitere hinzukamen. Wilhelm Tollmann, der sich bei seiner Festnahme aus dem 2. Stock gestürzt und schwere Verletzungen erlitten hatte, Engelbert Brinker und Otto Richter wurden von der Gestapo in Brauweiler ermordet. Johannes Kerp, Max Neugebauer und Kurt Stahl starben in der Haft, nachdem die Festgenommenen am 15. Februar 1945 ins Zuchthaus Siegburg sowie später noch in andere Haftanstalten verlegt worden waren

Quelle: Kölner Bildungsserver - www.kbs-koeln.de


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